Genannt statt geklickt: Wie kleine Unternehmen in ChatGPT, Gemini und Google AI Overviews sichtbar werden

geo-seo-mention: genannt statt geklickt

Wer in der Antwort einer KI nicht vorkommt, wird von vielen Kunden gar nicht mehr geprüft. Das betrifft den Handwerksbetrieb genauso wie das Startup oder den Onlineshop. Dieser Artikel zeigt, wie Generative Engine Optimization (GEO) funktioniert, was sich von klassischem SEO unterscheidet und mit welchen fünf Schritten kleine Unternehmen anfangen.

Vor ein paar Wochen bin ich in Berlin umgezogen und brauchte einen Transporter. Die Carsharing-Transporter von Miles stehen hier an jeder Ecke, sind aber nicht billig. Also habe ich Gemini gefragt, welche Alternativen es gibt. Die Antwort nannte vier Anbieter: einen mit Abholung bei Ikea, einen mit offenbar nur einem Fahrzeug in ganz Berlin und zwei, von denen ich noch nie ein Auto gesehen hatte. Ich habe also Miles gebucht.

Auf der ersten Fahrt kamen wir an einem Transporter von Free2Move vorbei, auf der zweiten an einem von Bolt. Beide Apps habe ich installiert, bei beiden bin ich verifiziert, beide waren günstiger. Gemini hat sie nicht erwähnt, also habe ich sie nicht geprüft. Es gab keinen Klick und keinen Besuch auf einer Website. Die fehlende Nennung allein hat entschieden.

Genau darum geht es bei GEO: nicht um den Klick, sondern darum, in der Antwort genannt zu werden.

Von zehn blauen Links zur fertigen Antwort

Zwei Jahrzehnte lang hat Google uns beigebracht, Links zu klicken. Mal kamen Anzeigen dazu, mal Karten oder Shopping, aber das Ziel war immer ein Klick auf eine Website. Mit ChatGPT, Gemini, Perplexity, Copilot und Claude ist die Antwort selbst zum Ziel geworden. Auch Google hat sich in drei Jahren von der Suchmaschine zur Antwortmaschine entwickelt: erst mit den AI Overviews über den Suchergebnissen, dann mit dem AI Mode als Dialog.

Damit verändern sich die Suchanfragen. Statt zwei bis vier Stichworten tippen Menschen ganze Situationen ein, etwa „Ich fahre im März auf eine Hochzeit nach Italien, was ziehe ich an?“. Die KI zerlegt so eine Frage im Hintergrund in mehrere Einzelsuchen, den sogenannten Query Fan-out, und baut daraus eine Antwort. Daten von Similarweb zeigen, dass Suchanfragen mit dem AI Mode länger werden.

Welches System Ihre Kunden nutzen, hängt stark von der Zielgruppe ab. Privatkunden kennen meist ChatGPT und die Google-Welt. Im Mittelstand läuft vieles über Microsoft Copilot, weil die Firmen in der Microsoft-Cloud arbeiten und andere Tools gar nicht nutzen dürfen. Und wer viel mit Claude arbeitet, setzt KI eher für komplexe Aufgaben ein als für die schnelle Produktsuche.

Warum gutes SEO allein nicht reicht

Google sagt gern, gutes SEO sei gutes GEO. Für die AI Overviews stimmt das zum Teil, denn dort überschneiden sich die genannten Quellen stark mit den Top 10 bis Top 20 der normalen Suche. Für andere Systeme greift die Gleichung zu kurz. ChatGPT sucht nicht nur über Google, sondern auch über Bing, Claude nutzt Brave Search.

Eine KI-Antwort entsteht auf zwei Wegen. Entweder aus den Trainingsdaten, also aus allem, was das Modell bis zu einem Stichtag gelernt hat. Oder über eine Websuche, die das System im Hintergrund auslöst, das sogenannte Grounding. Die Trainingsdaten gezielt zu beeinflussen ist für ein kleines Unternehmen unrealistisch. Das Grounding dagegen lässt sich beeinflussen, und genau dort setzt GEO an.

Der entscheidende Unterschied zu SEO: Die KI holt sich ihre Informationen aus vielen Quellen gleichzeitig. Die eigene Website macht in unseren Analysen oft nur zwei bis fünf Prozent der Quellen aus. Der Rest kommt aus Branchenverzeichnissen, Bewertungsportalen, Vergleichsseiten, Foren, Fachmedien, YouTube und Social Media. SEO optimiert das Ranking der eigenen Seite. GEO kümmert sich um den gesamten digitalen Fußabdruck einer Marke.

Fünf Schritte für den Einstieg

Für kleine Unternehmen braucht es kein großes Budget, aber eine klare Reihenfolge. Erst die eigene Basis, dann die fremden Quellen.

  1. Technik freiräumen. Viele KI-Crawler sind sehr einfach gebaut und lesen nur den reinen Text einer Seite. Prüfen Sie, ob robots.txt oder Cloudflare Bots wie GPTBot, OAI-SearchBot, ClaudeBot oder PerplexityBot aussperren, und liefern Sie wichtige Inhalte nicht nur per JavaScript aus. Saubere Title-Tags lohnen sich doppelt, weil ChatGPT bei seiner Suche stark auf Titles achtet.
  2. Inhalte zitierfähig schreiben. Stellen Sie das Wichtigste in drei Punkten an den Anfang und formulieren Sie Zwischenüberschriften als Fragen, die Kunden wirklich stellen. Jeder Absatz sollte für sich allein verständlich sein, jede Aussage mit einer Zahl oder einem Beleg gestützt. Marketingfloskeln fliegen raus, Tabellen, FAQ und ein sichtbarer Autor kommen rein.
  3. Die eigenen Quellen finden. Geben Sie zehn bis zwanzig Fragen, die Ihre Kunden stellen würden, in ChatGPT, Gemini, den Google AI Mode und Copilot ein. Notieren Sie, welche Websites als Quelle verlinkt werden. Bei Agenturen sind das oft Verzeichnisse wie OMR Reviews oder Clutch, bei Handwerkern Branchenportale, bei Finanzthemen Seiten wie Finanztip.
  4. Dort vorkommen, wo die KI nachschaut. Vervollständigen Sie Ihre Profile auf genau diesen Portalen und prüfen Sie Vergleichslisten, in denen Wettbewerber stehen und Sie fehlen. Fachartikel und Erwähnungen in regionalen Medien helfen zusätzlich. Die Nennung der Marke zählt dabei mehr als der Backlink, den man fürs klassische SEO trotzdem gern mitnimmt.
  5. Bewertungen und Ruf pflegen. Was auf Google, Trustpilot oder Reddit über Sie steht, kann in der KI-Antwort landen. Wir hatten einen Fall, in dem eine Automarke als einzige mit dem Hinweis auf schlechte Verarbeitungsqualität genannt wurde. Fragen Sie die Systeme regelmäßig, was sie über Ihre Marke wissen, und reagieren Sie auf Kritik dort, wo sie entsteht.

Die Quellen unterscheiden sich übrigens schon innerhalb einer Branche stark. Ein Onlineshop für Tiernahrung wird aus anderen Seiten gespeist als einer für Elektronik. Deshalb ist Schritt 3 wichtiger als jede allgemeine Checkliste. Am Ende gibt es zwei Wege: Entweder Sie werden selbst zur Quelle, oder Sie beeinflussen die Quellen, die es schon gibt.

Mythen, die Zeit kosten

Rund um GEO kursieren viele Empfehlungen, die auf LinkedIn gut klingen und für kleine Unternehmen wenig bringen.

Die llms.txt. Die Datei soll KI-Systemen erklären, was auf einer Website wichtig ist. Sie wird zwar gelegentlich abgerufen, aber kein großes System bewertet eine Marke deshalb anders. Sinnvoll ist sie für Softwareanbieter mit Dokumentation und APIs. Für den Handwerker, den Onlineshop oder die Konsumgütermarke ist sie verzichtbar.

Der Wikipedia-Artikel. Er wird gern als heiliger Gral verkauft. Die deutsche Wikipedia hat aber eigene Relevanzkriterien, etwa zu Umsatz oder Mitarbeiterzahl. Das Startup oder der Betrieb um die Ecke erfüllt sie meist nicht, und die investierte Zeit verpufft.

Schnelle Hacks. Selbst geschriebene Bestenlisten, in denen man sich auf Platz eins setzt, haben lange gut funktioniert. Inzwischen sehen wir, dass Google solche Unternehmen in AI Overviews und AI Mode zwar als Quelle zitiert, aber nicht mehr empfiehlt. Die Regel aus 20 Jahren SEO gilt auch hier: Was zu einfach funktioniert, funktioniert irgendwann nicht mehr.

Messen: Klicks sind die falsche Währung

KI-Systeme sind gebaut, um Antworten zu liefern, nicht um Besucher weiterzuleiten. Wer GEO nur am Traffic misst, unterschätzt den Kanal deutlich. Unsere eigenen Zahlen bei Claneo zeigen das:

Von Januar bis August 2026 kamen laut Google Analytics 2,6 Prozent unseres Website-Traffics aus KI-Systemen. Im Kontaktformular fragen wir, woher uns jemand kennt. 37 Prozent der Anfragen nannten KI-Systeme.

Die Erklärung: Jemand fragt ChatGPT oder Google nach einer SEO-Agentur, bekommt eine Liste, macht daraus eine Shortlist und fragt direkt an. Die Empfehlung stammt dabei oft gar nicht von unserer Website, sondern aus Agenturverzeichnissen. Ein Kunde aus dem Onlinehandel sieht in seiner Umfrage nach dem Kauf ähnliches: Rund 20 Prozent kennen die Marke aus KI-Systemen, obwohl kaum Traffic von dort kommt. Ein anderer Onlinehandel berichtet, dass der kleine KI-Traffic dreimal besser konvertiert als der organische.

Für kleine Unternehmen reichen drei einfache Messpunkte:

  • Selbstauskunft: ein Feld „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ mit der Option „KI-Assistent (z. B. ChatGPT)“ im Kontaktformular oder an der Kasse.
  • KI-Traffic: Besuche von chatgpt.com, perplexity.ai oder gemini.google.com in Google Analytics als eigenen Kanal auswerten, inklusive Conversion-Rate.
  • Sichtbarkeit: die eigenen Kernfragen regelmäßig von Hand prüfen oder mit Tools wie Peec AI, Profound oder Otterly täglich abfragen lassen.

Fazit

GEO ist kein Ersatz für SEO, sondern baut darauf auf. Ohne eine technisch saubere, verständliche Website wird man auch in KI-Antworten selten gefunden. Der größere Hebel liegt aber außerhalb der eigenen Seite: in den Verzeichnissen, Bewertungen und Medien, aus denen sich die KI ihre Meinung bildet. Wer heute herausfindet, welche Quellen in der eigenen Branche zählen, und dort präsent ist, hat einen Vorsprung, solange viele Wettbewerber das Thema noch ignorieren.

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